Erhabenheit

Dinge sind erhaben, die entweder keine Geschichte erzählen – oder derer so viele, in so vielen Aspekten und Graduierungen von Wahrheit, dass sie unter keiner Überschrift subsumiert werden können.
Aufrechter Gang
Wer von Geworfenheit spricht [Heidegger], zollt der Ungleichheit der Anfänge Tribut. In dem Wort klingt die Erfahrung nach, dass unzählige von Anfang an einem Absturz in Benachteiligungen ausgesetzt waren, die sich eventuell korrigieren, doch nie mehr ganz ausgleichen lassen.
Was die existentiale Verfassung der Getragenheit angeht, bleiben ihr gezwungene Drehungen dieser Art fremd. Wo keine Beraubung am Anfang steht, wird keine Kompensation gefordert. Solange der Reichtum selbst das Tragende ist, muss die Existenz nichts hinzuverdienen. Ihre erste Information ist das Gefühl, dass genug vorhanden ist, und mehr als genug; daraus ergibt sich, dass man fürs erste entspannen darf. Weil das auf Reichtum gestimmte Dasein nicht vom Widerruf der Geschenke bedroht ist, braucht es sich nicht durch eine eigene Uranstrengung misstrauisch zu hüten. Es ist vom verfrühten Angst-Krampf und vom Zwang zur Selbst- und Umweltkontrolle verschont. Das getragene Leben wird nicht mehr vergiftet von dem Vorwurf einer überlasteten Trägerin, es sei zu schwer und solle sich gefälligst weniger lästig zeigen. Bei realer Getragenheit überzeugt sich das Getragene von der Kraft, die aus dem Träger auf es selbst übergeht. So wie das Sich-Liegen-Lassen auf einer Unterlage, wenn es kampflos ist, zur Grundstimmung Gelassenheit führen kann, bildet sich plausiblerweise das Vertrauen in die Tragkraft der Arme, die mich emporhalten, in einer Stimmung von Getragenheit ab. Sie beinhaltet die Überzeugung von der Allgegenwart der Antigravitation. Daher ist der aufrechte Gang von homo sapiens nicht ein physiologisches Evolutionsprodukt unter anderen; er verkörpert die somatische Ausformung der Auftriebsdimension, die schon bei den Hominiden als Vorausdeutung auf das getragene In-der-Welt-Sein am Werk ist.
In dieser Hinsicht lässt sich das menschliche Aufrechtlaufen als offene Hieroglyphe des Leichtsinns lesen. Es liefert den Beweis, dass die Levitation ihre evolutionäre Probe bestanden hat. Durch seine extrauterine Gestationserfahrung, zu welcher die ausgedehnte Phase kleinkindlicher Ansprüche an mütterliche und allomütterliche Transportdienste hinzukommt, ist in den Körper von homo sapiens ein so hohes Maß an antigraver Information eingebaut, dass er sich beim Heranwachsen immer mehr auf seine eigene Vertikalität verlässt – um schließlich zum beredsten Emblem der positio humana zu werden: einer Struktur, in der die unwahrscheinlichste Haltung zur selbstverständlichen geworden ist. In ihrer typischen körperlichen Attitüde ist schon das ganze Programm der Sapiens-Existenz formuliert: Die Menschen sind exakt jene Wesen, bei denen das fast Unmögliche zum Alltäglichen wird, das nahezu Unhaltbare zum bis auf weiteres zuverlässigen Bestand, das scheinbar Unerschwingliche zum allgegenwärtigen Äther. Homo sapiens feiert in seiner aufrechten körperlichen Verfassung täglich ein Fest der Negentropie.
aus: Peter Sloterdijk, “Sphären III – Schäume”, S. 762 ff.
Über die Archonten

Archont I: Distracted By Bumblebee From Cleaning The World Toilet. Oil/Cvs., 80 x 80 cm, 2010 ||| Archont I: Von Hummel Abgelenkt, Das Weltklo Zu Säubern. Öl/Lwd., 80 x 80 cm, 2010
Ihr Oberster aber ist blind. [Wegen seiner] Kraft und seiner Unwissenheit [und seiner] Überheblichkeit sagte er in seiner (30) [Kraft]: ,,Ich bin Gott; es gibt keinen [außer mir].“Als er das gesagt hatte, sündigte er gegen [das All]. Und diese Rede gelangte hinauf zur ( 87.1) Unvergänglichkeit. Siehe, eine Stimme kam aber heraus aus der Unvergänglichkeit, und sie sprach: ,,Du irrst dich, Samael!“, — das heißt: ,der Gott der Blinden`.

Archont II: Searching For The World Door's Key. Oil/Cvs., 80 x 80 cm, 2010 ||| Archont II: Suchend Nach Dem Welttürschlüssel. Öl/Lwd., 80 x 80 cm, 2010
Seine Gedanken waren blind. Er warf (5) seine Kraft — das ist das Lästerwort, das er gesagt hatte — heraus. Sie folgte ihm hinab bis ins Chaos und zur Tiefe, zu seiner Mutter, auf Veranlassung der Pistis Sophia. Und sie (sc. Pistis Sophia) setzte seine Kinder ein, einen jeden entsprechend seiner Kraft, nach dem Vorbild (10) der Äonen, das sich oben befindet; denn aus dem Verborgenen (pl.) fanden sie das Offenbare (pl.).
So.
Folgendes Bild musste doch noch einmal überarbeitet werden, aber nun ist es fertig:
Und dann gibt es noch zwei neue Arbeiten – sorry für die schlechte Bildqualität:
Mit Faltenwürfen verdüstere ich gegenwärtig meine Tage…
Che Pianeta!
Einladung
Galerie OPEN präsentiert:
Human Architecture
Konzeptionelle Interpretation
Gruppenausstellung mit: Katja Buchholz, Florian Japp, Jens Heller, Rebecca
Loyche, Stephan Sahm, YAZE und Filip Zorzor
08. April – 07. Mai, 2010 Eröffnung am Donnerstag, 08. April, 19-21 Uhr
„Architektur ist, unabhängig davon, wie profan oder anspruchsvoll der Zweck
ist, dem sie dient, letztlich die Gesamtheit der durch Menschenhand
veränderten Umwelt und damit eine kulturelle Leistung der Menschen.“ -
Meinhard von Gerkan 1982 in: Die Verantwortung des Architekten









